Denkmalort & Umgebindeland

Umgebindehaus - was ist das?

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Das Umgebindehaus ist eine Kombination aus slawischer Blockstube und fränkischem Fachwerk.
Um mehr Wohnraum zu schaffen, stellte man um die Blockstube herum Holzbalkenständer, verband diese Ständer mit einem Kopfband oder Rahmen und hatte somit die Blockstube umbunden.
Auf dieser Ständerkonstruktion ruht das Obergeschoß.
Das Umgebindehaus ist das Haus der Oberlausitz. Diese Volksbauweise findet man nur noch hier im Dreiländereck Deutschlands und in den angrenzenden Regionen Polens und Tschechiens.

Eine Besonderheit der Obercunnersdorfer Umgebinde-Häuser ist die Verschieferung 
der Giebel und Obergeschosse mit blauem und weißem Schiefer. Die Muster zeugen von einer Zeit, in der der Broterwerb in den hiesigen ehemaigen Textilfabriken auch ein bisschen Luxus zuließen.

 

Denkmalsort seit 1984

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Die internationale Denkmalschutz-Organisation ICOMOS der UNESCO weilte 1984 mit 150 Denkmalspflegern aus 40 Nationen in Obercunnersdorf. Anlass war die Tagung der VII. Generalversammlung der ICOMOS in Dresden. 
Es wurde das hohe Engagement zur Erhaltung und Nutzung der 250 denkmalsgeschützten Umegbindehäuser gewürdigt und die Tatsache, dass die Umgebindehäuser hier in Obercunnersdorf ortsbildprägend als einziges derart geschlossenes Ensemble die Bausubstanz zu 85% des gesamten Ortes ausmachen.
Seither trägt der Ort den Beinamen "Denkmalsort".
 

Chronik des Ortes

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1221 eroberte Ritter Conrad den Ort und nannte sein Rittergut CONRADISDORP.

Weit vorher besiedelten Stämme aus Osteuropa, die Slawen, diesen Landstrich. Sie waren auf der Suche nach fruchtbarem Land und einem gemäßigten Klima. Lausitz ist die Bezeichnung für wasserreiches Sumpfland. Die obere bergige Lausitz war reichlich mit Wäldern bewachsen. Die neuen Siedler rodeten einen Teil der Wälder und bauten aus den Stämmen der Bäume Blockhäuser. Die Siedlungen wurden entlang der Bach-Auen angelegt und zu jedem Haus gehörte eine Hufe Land mit Wald. Die Landwirtschaft brachte Mühlen hervor, der Anbau von Leinen ermöglichte die Weberei. In fast jedem Haus klapperte ein Handwebstuhl.

 

 
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In späteren Völkerwanderungen wurden die slawischen Siedler vertrieben. Neue Siedler aus Franken, Thüringer, Hessen stammend kamen in die Oberlausitz. Da um das Haus herum wenig Platz war und Grund und Boden teuer, baute man die Häuser in die Höhe. So konnte man im Obergeschoß einen separaten Schlafraum schaffen und mußte nicht mehr in der Stube neben dem Webstuhl schlafen.
Das Obergeschoß konnte aber nicht auf die Blockstube drauf gebaut werden. Die Statik verlangte eine andere Technik. Das Fachwerk.
Eine Ständerkonstruktion sollte das Obergeschoß separat tragen. Und so stellte man um die Blockstube senkrechte Holzständer, diese sind mit einem Kopfband verbunden und jetzt wissen Sie auch, woher der Name stammt: Das Umgebinde - Haus ist eine umbundene Blockstube. Mit dem Fachwerk-Obergeschoß zusammen ist es ein Gebinde = ein Ganzes.